Plädoyer für eine Kultur der Ermöglichung in unseren Pfarren
„Für eine Kultur der Ermöglichung in unseren Pfarren“
Zentrale Aufgabe der Kirche und ihrer vielfältigen Teile ist der Dienst an der Welt in ihrer Differenziertheit in der heutigen Zeit. Weiterhin wird den Pfarren in der Bewältigung dieser Aufgabe eine zentrale Rolle zukommen.
Wir brauchen einen Kulturwandel, um das Engagement von Ehrenamtlichen zu fördern und das Zusammenwirken von Haupt- und Ehrenamtlichen gut zu gestalten.
Das Fördern von Charismen und das Ermöglichen gemeinsamer Ideen soll dabei im Mittelpunkt stehen und nicht das Abarbeiten von Aufgaben, die vorgegeben werden.
Wichtige Eckpunkte dabei sind:
1. Pfarren sollen „Zentren der Nachbarschaft und des Dialoges“ werden. Kirche soll am gesellschaftlichen Dialog teilnehmen, eigene Grundlagen einbringen und anderen zuhören. Sie soll in Bezirk/Gemeinde/Grätzl als wichtige Mitgestalterin wahrgenommen werden.
2. Eine Hauptaufgabe der hauptamtlichen Mitarbeiter:innen ist es, das Engagement Ehrenamtlicher zu ermöglichen, damit sie sich mit ihren Fähigkeiten einbringen können. Die Verwaltung ist serviceorientiert und die hauptamtlichen Mitarbeiter:innen bieten den Ehrenamtlichen Unterstützung in ihrer Arbeit.
3. Es braucht eine prinzipielle Gleichwertigkeit aller Getauften, basierend auf dem gemeinsamen Priestertum, das wiederum aus einem gemeinsamen Taufbewusstsein entspringt. Die Leitungsaufgaben der Seelsorge und Verwaltung werden klar definiert und in Ordnungen festgelegt, die Verantwortlichkeiten klar und transparent festgelegt. Verantwortung tragen heißt auch Verantwortung delegieren zu können, ohne die Kontrolle zu verlieren.
4. Es braucht immer wieder Anstöße und die Möglichkeit auszuprobieren. Neue Wege, die auf breiter Basis Zustimmung finden, sollen selbstbewusst beschritten werden. Dazu braucht es Leitungsmodelle auf Zeit und ad experimentum mit verpflichtender Evaluierung.
Mit einem Kulturwandel können Pfarren Räume anbieten:
Räume zum Treffen, Räume zum Reden, Räume zum Lernen, Räume zum Spielen. Außerdem sollen Menschen hier Räume finden, die es sonst nirgendwo gibt – Räume des Geistlichen und Räume der Begegnung mit Gott und den Menschen. Räume, in denen sie ihre Charismen im christlichen Geist einbringen und sich wohl fühlen können.
Katholische Aktion der Erzdiözese Wien und PGR-Initiative, Februar 2025
Folgende „Schlussfolgerungen“ aus dem Synoden-Schlussdokument der Generalversammlung vom 26. Oktober 2024 bestärken uns dabei:
Wir können die Gemeinschaft, die erlöst, leben, indem wir auf synodale Weise voranschreiten, in der Verflechtung unserer Berufungen, Charismen und Dienste, und auf alle Menschen zugehen, um ihnen die Freude des Evangeliums zu bringen. (154)
Die Synodalität der Kirche wird zu einer sozialen Prophetie, die neue Wege in der Politik und Wirtschaft inspiriert und mit all jenen zusammenarbeitet, die an Gemeinschaft und Frieden glauben, in einem Austausch von Gaben mit der Welt. (153)
Den Text gibt es auch als PDF.