Samstag 18. November 2017
Pfarre neu

Tiefen-Ökumene aus der Heiligen Schrift

Ökumenisches Gebet in Wien-West unterstützt Projekte in Rumänien, Israel und Bolivien

Zu einer „Tiefen-Ökumene“, einer „Wanderung zu dieser Quelle, zum Brunnen lebendigen Wassers, das wir aus der Heiligen Schrift schöpfen“, lud Pfarrer Hannes Dämon von der Altkatholischen Kirche beim

Ökumenischen Wortgottesdienst in der Gebetswoche für die Einheit der Christen die rund 50 Teilnehmer/innen aus fünf verschiedenen Religionsgemeinschaften (Altkatholiken, Baptisten, Evangelisch A.B., Katholiken, Methodisten) und neun Pfarren und/oder  Ordensgemeinschaften aus Wien-West, dem 13. 14. und 15. Bezirk, am 19. Jänner 2017 in der evangelischen Trinitatiskirche Hütteldorf ein.

 

 V.l.n.r.: Sr. Katharina Deifel OP, Konvent der Dominikanerinnen, Pastor i.R. Horst Fischer, Baptistengemeinde Bujattigasse, Pfr. Gustav J. Murlasits, Pfarre Hütteldorf-St. Andreas, Annemarie Schmidt, Pfarre St. Anna-Baumgarten, P. Petrus Bsteh, Pfarre Kordon, Pfr. Hartmut Schlener, Evang. Trinitatiskirche A.B., Moderator P. Thomas Kochuchira TOR, Pfarre St. Josef am Wolfersberg, Christa Murtinger und Karl-Heinz Pohl, Evangelisch-methodistische Gemeinde Wien-Fünfhaus, Pfarrer Hannes Dämon, Altkatholische Heilandskirche. Foto Jochen Hitzigrath.

 

Im Blick auf die gemeinsame Sehnsucht anderen Menschen zum Segen werden

Im Brunnen sehe man „sein eigenes Spiegelbild: Die eigene Geschichte; das, was uns geprägt hat; die Hoffnungen und Zukunftsperspektiven; Elemente, die uns von anderen Menschen ins Herz gelegt worden sind und die wir wie einen goldenen Schatz bei uns tragen“. Diese Sehnsucht  sei „allen Menschen gleich, macht keinen Unterschied zwischen Rasse und Religion, Konfession und Geschlecht“, sagte Pfarrer Dämon.

 

Es gebe zwar eine Geschichte der Ökumene, wo es gut sei „zu wissen, was unsere Vorfahren im Glauben alles erlitten und erreicht haben – auf dem Weg zur Eigenständigkeit und auf dem Weg zum Miteinander“. Es gebe aber auch eine Wort-Ökumene, in der „die Dokumente der ökumenischen Gespräche zu kennen“ seien, „um das Engagement zu würdigen, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen“, so Dämon. Beide seien „Ausdruck einer ganz bestimmten Sehnsucht in der je eigenen Identität des Glaubens“ mit „aus der Perspektive der Tiefen-Ökumene … unterschiedlichen Wahrnehmungen und Vorstellungen des einen Gottes“. Zwar gehe „nicht jede und jeder zum selben Brunnen – aber alle schöpfen aus dem gleichen ´Grund-Wasser´, von dem niemand sagen kann, wo genau es herkommt und wo es hinfließt“, sagte Dämon.

 

Dabei machen wir Immer wieder “die Erfahrung, dass wir uns manchmal einem Menschen einer anderen Konfession näher empfinden als einem Menschen, der … zu unserer Kirche gehört“, so Dämon. Sehnsucht kenne „keine konfessionellen Grenzen“. Sie sei „weiter und größer, tiefer und umfassender als jede Eingrenzung in geschichtliche Zusammenhänge und wohlformulierte Worte“, Daher seien „die eigenen Prägungen zu hinterfragen und offen und respektvoll auf die Sehnsucht anderer Konfessionen zu schauen“.

 

Dämon konstatierte „in den vergangenen drei Jahrzehnten große Annäherungen auf der praktischen Ebene: Westkirchlich geprägte Konfessionen nehmen ostkirchliche Gesänge auf, evangelische Christinnen und Christen beten Elemente der römisch-katholischen Liturgie, römisch-katholische Geistliche predigen über Bonhoeffer...“. Über allem spanne sich „der lange Atem Gottes, seine Generationen überdauernde Güte“, die wir aufnehmen und mit der wir „im Blick auf die gemeinsame Sehnsucht anderen Menschen zum Segen werden“ können, schloss Dämon.

 

Änderung der Weltgeschichte ist möglich durch das Gebet

„28 Jahre stand die Mauer in Berlin und der DDR. Dabei wurden 1065 Menschen  erschossen. Heuer ist es 28 Jahre, dass die Mauer implodiert ist. Eine Änderung der Weltgeschichte ist möglich geworden durch das Gebet“, sagte der Gastgeber der Trinitatiskirche, Pastor Hartmut Schlener, bei der Ökumenischen Feier im 500. Jahr der Reformation zum Thema „Versöhnung – die Liebe Christi drängt uns“ (vgl. 2. Kor 5,14-20). Schlener zeigte dabei auf eine Mauer aus 12 verschiedenen Ziegeln wie Lieblosigkeit, Hass und Verachtung, Verleumdung, Diskriminierung, Verfolgung, Zerbrochene Gemeinschaft, Intoleranz, Religionskriege, Trennung, Machtmissbrauch, Selbstgenügsamkeit und Hochmut, die im Gottesdienst zu einem Ziegelkreuz verwandelt wurde. Auch mit der Herausgabe einer Briefmarke zu Martin Luther stelle  der Vatikan „das Gemeinsame in den Vordergrund“, schloss Schlener an dem von KMB-Mitarbeitern unterstützten Abend.

 

Durch Engagement und Gebet verwandeln Menschen eine trennende Mauer zu einem Himmel und Erde verbindenden Kreuz. Foto Franz Vock.

 

Die abschließende Kollekte erbrachte  € 498,- , die auf drei Projekte aufgeteilt wurde: Auf das Haus der Hoffnung in Brasov, Rumänien, ein Projekt zur schulischen und gesellschaftlichen Integration der Kinder in Jaffa, Israel,  und auf ein Projekt in Bolivien, wo Menschen mit Behinderung und alleinstehende Frauen, die zu Näherinnen ausgebildet werden, in eine Gemeinschaft aufgenommen werden. Die anschließende Agape wurde von den Feiernden dann zum ausführlichen Erfahrungsaustausch genutzt.                 

Franz Vock

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