Gesellschaft

Fasten will frei machen

Über die global-gesellschaftlichen Auswirkungen sprach Univ.-Prof. Bernd Lötsch in Hütteldorf

„Fasten soll frei machen für spirituelle, aber auch für gesundheitliche Aspekte. Ab einem 16 stündigen Nahrungsverzicht schaltet die Autophagie, das Selbstfressen, ein Recyclingprozess der Zellen, ein“, sagte Univ.-Prof. Bernd Lötsch, ein  bei seinem Vortrag zum Thema „Fasten. Ökobilanz des edlen Verzichts. Ändert der Klimawandel de Wegbereiter der österreichischen Ökologiebewegung n Speiseplan?“ am 23. März 2018 vor über 50 BesucherInnnen im Pfarrzentrum Hütteldorf auf Einladung des lokalen Pfarrgemeinde FairWandeln Teams in Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk und dem Welthaus der KA Wien.

 

Lötsch betonte: „Es ist überhaupt keine Frage, dass der anlaufende Klimawandel menschengemacht ist. Die bisherigen Klimaschwankungen sind astronomisch erklärbar“. Der Papst habe sich für seine Enzyklika „Laudato Sí“ „ein Heer von guten Beratern gesucht“. Fasten komme „von Festhalten an religiösen Geboten“. Es gebe viele Probleme zwischen Mensch und Mensch, Mensch und Schöpfung, die aus „ungezügelter Gier“ kommen. Mahatma Gandhi sagte treffend: „There is enough for everybodys need, not for everybodys greed on this planet”, so Lötsch.

 

Global sei ein „moralisch partieller Fleischverzicht ist in vielen ethnischen Küchen vorhanden“, der auch „weitreichende Entlastungseffekte“ habe, führte Lötsch aus: „Je mehr Rinder man braucht umso mehr Methan wird produziert. Methan ist 28 Mal klimawirksamer als CO2. Indien und China haben die größten Fleischkonsumzuwachsraten. 80-90 Prozent der Tropenwaldverluste geschehen nicht zur Holzgewinnung, sondern um Weideflächen und Futteräcker zu gewinnen. Viehhaltung als Treibhausgasverschulder“. Es gebe aber auch eine „ethische Problematik: Noch nie herrschte eine derartige Tierquälerei in der Fleischgewinnung. Tiere sind Gefühlsmenschen mit viel weniger Verstand. Es gibt Haltungsformen mit Teilkannibalismus“, sagte Lötsch.

 

Ackerbau statt Viehzucht liefert genügend Nahrung

Als „Lösungen“ sah Lötsch: „Weltweit sind zwei Drittel der landwirtschaftlichen Flächen nur mit Tieren zu nutzen. Tierproduktion ist nur dort ethisch vertretbar, wo sie nicht zum Nahrungsmittel-Konkurrenten des Menschen wird. Rinder Schafe, Ziegen sind Zelluloseverdauer“. Dies sei aber „kein Freibrief für die Hochmoorzerstörung“. Auch müsste eine „Franziskanische Ethik entgegensteuern. Optimal bewirtschaftete Almen, Serengeti oder in Hochlagen des Himalaya“, so Lötsch.

 

„Die Tierhaltung ist dort sinnvoll wo es eine nützliche Abfallverwertung gibt. Das Schwein war in früherer Zeit ein nützlicher Abfallvewerter“, erinnerte Lötsch. Auch sei auf „Überdichten zu achten gegen die Vermeidung von Tierleid“. Die Ökodiät nutzte „über Jahrhunderte bewährte Nahrungsmittelkonditionen“. So haben 98,4 Prozent der StrukturDNA Affen mit den Menschen gemeinsam. Ein Schimpanse habe aber nur ein Drittel unseres Hirngewichts, erläuterte Lötsch.

 

„Der Nutzflächenbedarf der Menschen steigt stark mit der Nahrung“, gab Lötsch zu bedenken. Dieser sei 680 m2/ Person in Thailand, 2300 m2 in den USA. Das führe zu „65 -70 kg Fleischverzehr pro Jahr beim Österreicher“. Auch habe sich „in den letzten 50 Jahren der Fleischkonsum verfünffacht. Zu viel an tierischem Eiweiß macht krank“. Es gebe daher heute einen „Soja-Anbau für das Vieh der Reichen statt Nahrungsmittel für die Armen“, legte Lötsch dar. So gab es einen Soja-Anbau für den Export in Brasilien 1982 auf 8,2 Millionen Hektar, was dem Zusatz-Kraftfütter für 40 Mio. Schweine entspreche. Die gleiche Anbaufläche ergäbe mit Schwarzbohnen Eiweiß für 35 Mio. Brasilianer oder bei Mais den Kalorienbedarf für 59 Mio. Brasilianern, so Lötsch.

 

„Ackerbau statt Viehzucht liefert genügend Nahrung“, fasste Lötsch zusammen. Er veranschaulichte, ein Hektar Kulturland ernährt jeweils soviele Menschen mit Eiweiß bzw. Kalorien: Bei Kartoffel 11/17, mit Soja 11/5, mit Weizen 5/9, mit Gemüse 12/5, mit Schweine 1 ½/2, mit Vieh 2 ½/2 und mit Milch 1 ½/1 ½ Menschen. Das führte zu vielen nachdenklichen BesucherInnen, die sich beim Bio-Buffet sehr persönlich über ihre nächsten Kochschritte austauschten.                                                              

Franz Vock

 

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