Berichte

Klimawandel-Tagung: "Wir brauchen mehr Empörung und Druck"

Herbsttagung des Katholischen Akademiker/innenverbandes Österreichs endete mit Appell zu einer "Revolte von unten" - Skepsis unter Experten, ob 1,5 Grad Klimaerwärmung überhaupt zu halten ist

"Mehr Empörung und mehr politischen Druck" braucht es, um das im Pariser Klimaabkommen formulierte Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad zu erreichen: So lautete der Tenor einer Podiumsdiskussion zum Thema "Klimanotstand als Herausforderung für die Demokratie in Europa" am 23. November 2019 in Wien, an der Klima- und Nachhaltigkeitsexperten, Politiker und Kirchenvertreter teilgenommen haben. Wenn man "weiter wie bisher" mache, werde man dieses Ziel nicht erreichen, es brauche eine "radikale Wende" und eine "Revolte von unten", brachte es Matthias Krön vom "Verein Donau Soja" auf den Punkt. Ohne politischen Druck und stärkere internationale Zusammenarbeit werde die Klimawende nicht zu schaffen sein; konkret brauche es u.a. eine Verteuerung des Warentransports, so Krön.


Krön war einer von neun Referentinnen und Referenten, die bei sehr gut besuchten Herbsttagung des "Katholischen Akademiker/innenverbandes Österreichs" (KAVÖ) in Anwesenheit von zahlreichen VerterterInnen der Katholischen Aktion, darunter KA-Wien Präsident Walter Rijs, am 22./23. November über "Klimanotstand als Herausforderung für die Demokratie in Europa" diskutierten. KAVÖ Präsidentin Anna Nöst betonte dabei einleitend: „Das Thema betrifft und fordert uns alle zum Handeln auf“. Die Abschlussdiskussion wurde von der Journalistin Monika Slouk moderiert.

Skeptisch im Blick auf die Klimaziele zeigte sich der Grazer Moraltheologe Jochen Ostheimer: Je später der CO2-Ausstoß reduziert werde, desto größer würden die Rückkopplungseffekte sein. Ein erhöhter CO2-Ausstoß trage etwa zum Auftauen der Permafrostböden bei, dies wiederum setze darin gebundene Treibhausgase frei, was wiederum die Klimaerwärmung beschleunige. "Ich glaube, der Zeitdruck ist in der politischen Diskussion zu wenig präsent", mutmaßte der Theologe. Um das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen, brauche es ein "radikales Umdenken", was allerdings politisch kaum umsetzbar sein dürfte. Resignation sei jedoch keine Antwort auf die Krise, so Ostheimer: "Selbst wenn das 1,5 Grad-Ziel nicht hält: Lieber eine Erhöhung um 1,8 Grad als um 2,7 Grad."

Nachholbedarf der Bundeshauptstadt im Blick auf die Klimawende räumte die Leiterin des "Energy Center" der Stadt Wien, Waltraud Schmid, ein: Es brauche eine stärkere Vernetzung aller beteiligten Einrichtungen, der Fachstellen und vor allem auch der Bürger, um etwa bei regionalen Bau- oder Sanierungsprojekten Klimaziele und hohe Lebensqualität zu vereinbaren. Dies sei etwa das Ziel der "Smart City"-Rahmenstrategie der Stadt Wien. Einzelne Projekte mit vermehrter Bürgerbeteiligung seien da ermutigend, es gebe aber in Wien im Vergleich zu anderen, vor allem skandinavischen Ländern noch einen teils erheblichen Nachholbedarf.

Insgesamt brauche es "mehr politischen Mut", um die ambitionierten Ziele tatsächlich zu erreichen, so Schmid. Dazu gehöre ein weiterer Ausbau des öffentlichen Verkehrs im Nahbereich zwischen Wien und Niederösterreich, um die wachsende Zahl an Pendlern zum Umstieg vom Auto auf die öffentlichen Angebote zu bewegen. Ebenso brauche es Innovationen im Bereich der Gebäudesanierung, die Investition in Photovoltaik-Anlagen bis hin zu einer Anpassung bei den öffentlichen Förderungen.

Die Podiumsdiskussion stellte auch den Abschluss der heurigen Herbsttagung des KAVÖ dar. Am Vortag hatten u.a. Klimaexpertin Helga Kromp-Kolb, die Initiatorin des Klimavolksbegehren Katharina Rogenhofer und Wirtschaftsforscher Stefan Schleicher über das Thema "Klimanotstand als Herausforderung für die Demokratie in Europa" referiert und diskutiert. Kromp-Kolb wies dabei darauf hin, es gehe um die „Weisheit der Masse, nicht um die Tyrannei der Mehrheit“. Daher sollten die „Shareholder ersetzt werden durch die Stakeholder“. Univ.-Prof Stefan Schleicher vom Wegener Center für Klima- und Globalen Wandel betonte, „Klimafreundliches handeln muss leistbar sein“. Daher müsse die „Wirtschaft dem Wohlergehen der Menschen dienlich sein“. Der erste Tag endete ebenfalls mit einer Podiumsdiskussion mit Thomas Waitz (Die Grünen), Jürgen Schneider (Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus), einem Vertreter für Richard Schenz (WKÖ) und Katharina Rogenhofer (Klimavolksbegehren) unter der Moderation der "Furche"-Chefredakteurin Doris Helmberger-Fleckl.

Das Technologische Gewerbemuseum (TGM) werde ein Video zur Tagung produzieren, wie der KAVÖ  mitteilte,, nachdem bereits im Vorfeld in Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern des Schulzentrums Friesgasse ein Kurzfilm entwickelt wurde. (Infos: www.kavoe.at)

 

 

Kathpress, Franz Vock

 

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