Berichte

Schweigemarsch für verfolgte Christen eröffnete "Lange Nacht"

Kardinal Schönborn erinnert an die 21 vom IS ermordeten koptischen Märtyrer: "Ohne Hass, Angst und Bitterkeit waren sie bereit, mit dem Namen Jesu auf den Lippen zu sterben"

Das mutige Zeugnis verfolgter Christen ist ein überzeugendes Zeichen und verleiht dem christlichen Glauben Kraft und Glaubwürdigkeit. Mit dieser Botschaft haben die christlichen Kirchen in Österreich mit einem Schweigemarsch für verfolgte Christen durch die Wiener Innenstadt am Freitag, den 25.5. 2018, die "Lange Nacht der Kirchen" eröffnet. An der Spitze des Schweigemarsches standen Kardinal Christoph Schönborn, der Wiener Weihbischof Franz Scharl und der serbisch-orthodoxe Wiener Bischof Andrej (Cilerdzic). Weiters waren auch der altkatholische Bischof Heinz Lederleitner, der evangelische Altbischof Herwig Sturm, der Generalvikar der griechisch-katholischen Kirche in Österreich, Yuriy Kolasa und KA-Präsident Walter Rijs unter den mehreren hundert Teilnehmern.

 


"Heute gehören Christen zu den Verfolgten und Gott sei Dank nicht zu Verfolgern", sagte der Wiener Erzbischof und verwies auf die Worte der Bergpredigt: "Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit und des Evangeliums willen". Dass es im Sinne des Evangeliums besser sei, Unrecht zu erleiden als Unrecht zu tun, hätten die 21 von den Schergen des sogenannten Islamischen Staates (IS) ermordeten koptischen Märtyrer bewiesen. Das vom IS veröffentliche Video ihrer Hinrichtung habe gleichzeitig das Glaubenszeugnis dieser Männer deutlich gemacht und in Ägypten auch unter Muslimen viel verändert.

"Ohne Hass, Angst und Bitterkeit waren sie bereit, mit dem Namen Jesu auf den Lippen zu sterben", sagte der Kardinal, der die Familien der Ermordeten persönlich besucht hatte. Er sei davon beeindruckt gewesen, dass diese nicht von bitterer Trauer, sondern würdevoller Dankbarkeit dafür gezeichnet gewesen seien, weil ihre Angehörigen zu Märtyrern für Christus geworden sind. Christen dürften auf die Kraft dieses Zeugnisses vertrauen, das der Samen für Wachstum ist und die Glaubwürdigkeit stärkt, so Schönborn.

 


Der Einsatz für verfolgte Christen müsse mit dem Engagement für Frieden einhergehen, betonte der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej, der auf die Leiden des Krieges im Nahem und Mittleren Osten verwies. Jahrelanger Krieg habe "das Fehlen jeder Hoffnung" und eine "geistliche Ausgebranntheit " zur Folge. Zuversicht schenkten dabei die von Gott geschenkten Selbstheilungskräfte der Völker und der Menschen sowie das Gebet. In diesem Zusammenhang erinnerte Bischof Andrej an die vor fünf Jahren entführten Metropoliten von Aleppo, Mor Gregorios Youhanna Ibrahim (syrisch-orthodox) und Boulos Yazigi (griechisch-orthodox) und rief zum Gebet für sie auf.


Die Situation in Aleppo und in Syrien stand auch im Mittelpunkt der Worte von "Pro Oriente"-Präsident Hans Marte. "Steh auf, Christus ist mit uns" - diese unter orientalischen Christen schon seit Jahrhunderten bezeugte Losung in Zeiten der Verfolgung sei Ausdruck christlicher Widerständigkeit. An dieser Widerständigkeit sollten Christen, auch wenn sie nicht verfolgt werden, Maß nehmen.

Einsatz für verfolgte Christen brauche nicht nur Gebet, sondern auch politische Maßnahmen und konkrete Solidarität. Das betonte die am Schweigemarsch teilnehmende Nationalratsabgeordnete Gudrun Kugler. Intoleranz gegen Christen gebe es aufgrund eines aggressiven Säkularismus auch in Europa, so die ÖVP-Menschenrechtssprecherin, die gleichzeitig auf das Schicksal jener 108 in Wien "gestrandeten Iraner" verwies. Nachdem ihre ursprüngliche geplante Weiterreise in die USA durch die geänderte Politik der Trump-Administration nicht mehr möglich sei, bräuchten sie jetzt konkrete Unterstützung in Österreich.

 


Ausgangspunkt für den von der ökumenische Menschenrechtsorganisation "Christian Solidarity International-Österreich" (CSI) organisierten Schweigemarsch war der Stephansplatz. Von dort ginge es über den Graben mit einer Station bei der Pestsäule und dann weiter bis zur Augustinerkirche, wo ein ein ökumenischer Gottesdienst für verfolgten Christen stattfand. Dabei sagte Mittelschüler-Kartellverband (MKV)-Seelsorger Pfarrer Gregor Jansen: "Mit unserem lauten Schweigen wollen wir jenen eine Stimme geben, die selbst keine Stimme haben." Die Sammlung beim Gottesdienst kam Hilfsprojekten von CSI zugute, u.a. für verfolgte Christen in Pakistan und Waisenkinder in Syrien. Im Anschluss wurde in der St. Anna Kirche eine katholische Messe für verfolgte Christen gefeiert.

Kathpress, Franz Vock

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