Arbeitswelt

Gottesdienst zum Tag der Arbeitslosen 30. April

(bzw. zum Tag der Arbeit - 1. Mai)

Gestaltungsvorschlag, der auf die Texte vom Sonntag 29. April 2018 Bezug nimmt:

„Arbeit ist das halbe Leben“ Was ist dann ein Leben ohne Arbeit?

Dieser Text und weitere sind auf www.arbeitslosenstiftung.at/SERVICE/Downloads zu finden. (Bischöfliche Arbeitslosenstiftung Linz)

Arbeit ist das halbe Leben.

Was ist dann ein Leben ohne Arbeit?

5. Sonntag der Osterzeit, 29. April 2018

Lesung 1: Apg 9,26-31, Lesung 2: 1 Joh 3,18-24, Evangelium: Joh 15,1-8      

Evangelium - Die Bildrede vom Fruchtbringen

 

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer.

 

Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.

 

Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe.

 

Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.

 

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.

 

Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen.

 

Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.

 

Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.

 

 

Einleitung

Mit dem bevorstehenden 1. Mai sind in den nächsten Tagen Arbeit und Arbeitslosigkeit wichtige Themen. Arbeit ist ja mehr als die Erwerbsarbeit, die bezahlte Arbeit zu unserer Existenzsicherung. Sie hat in unserer Gesellschaft so eine zentrale Rolle bekommen, dass vieles im Leben davon abhängt: Einkommen zu haben, versichert zu sein, teilhaben zu können oder ein inneres Selbstwertgefühl zu erleben. Wie geht es dann Menschen, die die Arbeit verlieren, die im Inneren mit Ungewissheit und sinkendem Selbstbewusstsein zurechtkommen müssen oder von außen mit Schuldzuschreibungen oder Vorurteilen konfrontiert werden?

Im Gottesdienst heute wollen wir auf Einladung der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung Hoffnung und Zuversicht, aber auch die Sorgen und Ängste arbeitsloser Menschen ansprechen.

 

Predigtvorschlag „Arbeit ist das halbe Leben“

„Arbeit ist das halbe Leben“, so ein Sprichwort, das uns schon eine Zeit lang geläufig ist, aber vermutlich noch keine hundert Jahre alt ist. Erwerbsarbeit, also bezahlte Arbeit, hat in dieser Zeit enorm an Bedeutung zugelegt, sie wird eigentlich schon überbewertet. Es gibt auch viel Arbeit, die unbezahlt geleistet wird: Betreuungsarbeit meist nach wie vor von Frauen oder auch ehrenamtlich geleistete Arbeit, wie etwa bei der Feuerwehr. Andere Konzepte von Arbeit, die weniger entfremden, also dem Menschlichen näher sind, werden diskutiert, sie könnte man mit „Tätig-sein“ beschreiben. In den kommenden Jahren wird es zu größeren Veränderungen kommen, einerseits, weil die jüngere Generation einen anderen Zugang zur Erwerbsarbeit entwickelt hat und andererseits aufgrund der Digitalisierung, wo Computer noch mehr die Steuerung übernehmen und ganz andere Arbeitsabläufe nötig sein werden.

Morgen wird der Tag der arbeitslosen Menschen und übermorgen der Tag der Arbeit begangen. Arbeit und Arbeitslosigkeit sind wie zwei Seiten einer Medaille. So könnte man das Sprichwort „Arbeit ist das halbe Leben“ mit der Frage ergänzen: Und was ist dann ein Leben ohne Arbeit, ohne Erwerbsarbeit?

Die materielle Existenzsicherung, die Teilhabe am sozialen Leben oder der Selbstwert geraten - vor allem bei längerer Dauer von Arbeitslosigkeit - aus den Fugen. Die zentrale Bedeutung der Erwerbsarbeit, sowie hohe eigene und gesellschaftliche Erwartungen verursachen bei arbeitslosen Menschen einen enormen Druck. So dominiert Arbeitslosigkeit, mehr noch als Arbeit, das ganze Leben.

Die Arbeitslosigkeit geht zwar etwas zurück, aber nach wie vor suchen über 400.000 Menschen in Österreich einen Arbeitsplatz. Arbeitslosigkeit kann jeden treffen!
 

In einem ganzen Jahr sind österreichweit über 900.000 Menschen zumindest kurz arbeitslos, manche aber das ganze Jahr. Das ist jeder 4. unselbstständig Beschäftigte.

Wie geht es arbeitslosen Menschen? Drei Bespiele:

  • Eine über 50jährige Frau hat lange Jahre als Verkäuferin in einem Modegeschäft gearbeitet, es wurde geschlossen und sie gekündigt. Die Schließung war nur kurz vorher bekannt gegeben worden, der Verlust der Arbeit traf sie schwer. Sie berichtete, dass ihr Mann und sie davor am Morgen immer gleichzeitig die Wohnung verlassen hatten. Nun schließt sie hinter ihm die Türe, fühlt sich nicht gebraucht und oft kommen ihr die Tränen.
  • Ein 21jähriger junger Mann hat die Schule aufgrund einer Teilleistungsschwäche so recht und schlecht geschafft. Seine letzte Stelle als Lagerarbeiter wurde in dem Betrieb eingespart, er musste gehen. Seit einem halben Jahr sucht er vergeblich einen passenden Arbeitsplatz. Er schämt sich aufgrund des Scheiterns und sucht die Schuld, dass er keine neue Stelle findet, bei sich selbst.
  • Ein 30jähriger Schlosser wurde arbeitslos, es war und ist nicht sein Wunschberuf. Nun möchte er als Jugendbetreuer arbeiten, Bus-Chauffeur könnte er sich auch noch vorstellen. Er ist recht hoffnungsvoll zum AMS gegangen, aber leider wird ihm keine Umschulung bezahlt. Zweimal hat er schon einen Arbeitsversuch in seinem alten Beruf wieder hinter sich, er fühlte sich aber recht unwohl.

Länger arbeitslos zu sein, ist eine enorme Belastung. Es entsteht Stress, Zweifel an sich selber werden stärker, die Hoffnungslosigkeit nimmt zu. Es kann zu Situationen kommen, aus denen die Betroffenen nicht mehr alleine herausfinden und Hilfe brauchen. Zahlreiche Menschen in unserem Land leiden enorm an dieser für sie ausweglosen Situation.

Im heutigen Evangelium fordert Jesus seine Zuhörer und somit auch uns auf, Gott dadurch zu verherrlichen, reiche Frucht zu bringen. Und zwar die Frucht, die aus der Liebe und Fürsorge des befreienden Gottes [1]) erwächst. Wir sind, weil wir seine Jünger sind, angehalten, „in ihm zu bleiben“, seinen Worten zu folgen und so Gottes umfassende Liebe zu verwirklichen.

In der Lesung aus dem Johannesbrief hörten wir, dass „wir in Tat und Wahrheit“ lieben sollen und, dass wir „.. einander lieben sollen, wie es seinem Gebot entspricht“.

Was können diese Botschaften nun konkret bezogen auf das heutige Thema heißen? Menschen in Bedrängnis helfen und für gerechte Strukturen sorgen.

  • Menschen, die schon länger vergeblich Arbeit suchen, Mut zu machen, ihnen die Hoffnung und die Zuversicht zu stärken, auf sie zuzugehen, sie zu begleiten, mit ihnen eine für sie passende Beratungsstelle zu suchen, sie in belastenden Situationen zu begleiten oder sie vor Beschämung zu schützen.
  • Arbeitslose Menschen dort zu unterstützen, wo sie Hilfe brauchen, ist nötig, nicht den finanziellen Druck zu erhöhen oder Schuld den Betroffenen zuzuschreiben. Eine gute Ausbildung und laufende Weiterbildungen sind gute Voraussetzungen, um die Chancen auf einen Arbeitsplatz zu erhöhen.
  • Für gerechte Strukturen zu sorgen, könnte heißen, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit mehr Arbeitsplätze entstehen können oder eine bessere Verteilung der Erwerbsarbeit möglich wird. Bei diesen Themen im Großen braucht es unseren Einsatz und gesellschaftspolitisches Engagement.

Ich lade Sie alle ein, arbeitslose Menschen nach Ihren Möglichkeiten zu unterstützen, um damit unter uns die Liebe zu stärken, und als seine Jünger reiche Frucht für das Reich Gottes zu bringen. Als Christinnen und Christen sollen wir uns zeigen und als solche mit unseren Taten im Alltag erkennbar sein
Amen

 

Gebet

Arbeitslos:

Was anfangs wie Freizeit erscheint

wird bald zur Plage

zur heißen Luft

zum aufgeschobenen Leben.

Die Zeit wird ganz langsam

doch nicht beschaulich

ein zielloses Getriebe

macht sie anstrengend.

Die Umgebung wird fremder

die Gegenstände seltsam entrückt

die Ratschläge schärfer im Ton

als ob, Sich-Zusammenreißen

überhaupt möglich wäre.

Man sitzt in der Kirche, ohne Gebet

lauscht den Geräuschen der Welt

und den Wegen der anderen nach

neidisch und traurig.

Und überlegt

an welchem Ende anzuknüpfen

doch aussichtsreich wäre

mit Gottes Hilfe

vorsichtig, die matte Hoffnung

mit den Händen knetend.

Aus: Iris Mandl-Schmidt, Schaff meinen Gedanken einen Weg. Gebete ins Konkrete. M. Grünewald Verlag, Mainz 2001.

 

Fürbitten

Gott unser Vater, heute denken wir besonders an Lebenssituationen in der Arbeitswelt und bitten dich daher:

Wir bitten für Arbeitssuchende: Stärke ihnen den Mut, damit sie im oft anstrengenden Auswahlverfahren für eine offene Stelle bestehen können.

Wir bitten für langzeitarbeitslose Menschen: Stärke ihnen Hoffnung und Zuversicht, damit sie den Glauben an sich selbst nicht verlieren.

Wir bitten für die Verantwortlichen in der Politik: Stärke in ihnen die Bereitschaft, gemeinsam Rahmenbedingungen zu schaffen, die Arbeit für Alle ermöglichen.

Wir bitten für die Verantwortlichen in der Sozialpartnerschaft: Stärke in ihnen das gemeinsame Interesse, die Arbeitswelt noch menschengerechter zu gestalten.

Wir bitten für uns selbst: Öffne uns die Augen und die Herzen, damit wir die Nöte unserer Mitmenschen erkennen und ihnen beistehen können.

Guter Gott, stärke uns unseren Glauben, denn wir wollen in deiner Liebe bleiben.
Amen

Christian Winkler, 2018-03-26, www.arbeitslosenstiftung.at

Großer Gott, wir loben dich    Version der Katholischen ArbeitnehmerInnen Bewegung

GL 308

1.                                                                     2.

Großer Gott, wir loben Dich,                           Uns, o Herr, hast Du bestellt,
Herr, wir preisen Deine Stärke;                       dass an Deinem Reich wir bauen

vor Dir neigt die Erde sich                               mitten in der Arbeitswelt.
und bewundert Deine Werke.                          Hilf uns, Deiner Kraft vertrauen!
Wie Du warst vor aller Zeit                              Gib Dein Wort uns als ein Licht,
so bleibst Du in Ewigkeit.                                 zeige uns Dein Angesicht.

 

3.

Frieden schenke unserem Land!
Gib, dass wir Versöhnung bringen
zwischen Klasse, Rang und Stand.
Lass in Freiheit uns besinnen!
Gieße aus in unsere Zeit
Liebe und Gerechtigkeit.

 

[1] Katholisches Bibelwerk Deutschland, Lektorenhilfe

Katholischen Aktion
Erzdiözese Wien

Stephansplatz 6/5
1010 Wien

Tel. +43 1 51552-3312
Fax: 01/ 51552-3143
katholische.aktion@edw.or.at
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