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16. Dec 2019

Es braucht noch viel mehr Druck beim Klimaschutz!

von Christoph Watz am 16. December 2019, 13:44 Uhr

Krisenzeiten brauchen mutige und rasche Kriseninterventionen. Nur so schaffen wir in 10 Jahren die Energiewende mit dem Ziel aus Erdöl und Erdgas auszusteigen. 

Die Fridays-for-Future Bewegung beeindruckt mich immer wieder: Auch beim 4. großen Klimastreik haben sie die richtige Symbolik gewählt: Der Marsch ging von der OMV über die Wirtschaftskammer hin zum Zentrum der Wirtschafts- und Finanzpolitik (und auch zum Umweltministerium.)

Ich bin beeindruckt von der FfF-Bewegung, weil sie von Anfang an Botschaften aussendet, die ich aus meiner chrisltich-sozialen Überzeugung voll unterstützen kann: "What do we want? Climate Justice!" Es geht um eine Lösung der Klimakrise, es geht ums Ende des fossilen Zeitalters, und zwar mit einem klaren Bekenntnis zu sozialer Gerechtigkeit (global und lokal). Schon ganz zu Beginn stand die Forderung: "Niemand darf zurückgelassen werden!" Gerade jene Menschen, die durch nötige strukturelle Veränderungen Umschulungen, neue Arbeitsplätze oder finanzielle Unterstützung benötigen, sollen umfassende Unterstützung bekommen.

Es geht nicht um plumpen Protest gegen „die Konzerne“, sondern mich hat auch wieder die Botschaft beeindruckt, die der 18jährige Fridays-Aktivist Leo Zirwes beim 4. Weltweiten Klimastreik an die OMV formuliert hat:

"Das Problem ist, dass Öl und Gas das Kerngeschäft der OMV ist. Die OMV muss daher ihren Mitarbeitern die Wahrheit zumuten und einen Plan vorlegen, wie sie sich zu Erneuerbaren transformieren kann."

Unterstützt wurde diese Aussage mit kreativem Protest aus drei 3-Meter großen Herzen, mit einer Botschaft an die OMV-Belegschaft: "You deserve green Jobs!"

 

Ich finde es als Vater so wichtig, dass wir unseren Kindern erlauben, dass sie streiken und ich schreibe meinem Sohn gerne eine Entschuldigung für die Demo.
Und ich finde wichtig, dass wir Erwachsenen mitdemonstrieren und diese Bewegung stärken. Schließlich haben WIR die letzten 27 Jahre verschlafen. WIR haben zugeschaut, wie unsere Beamten und Politiker seit 1992 alljährlich auf Klimakonferenzen geflogen sind und nichts bewirkt haben: Österreich hat seit den 90ern keine Emissionen reduziert, sondern weiter Jahr für Jahr seine Emissionen gesteigert. Und auch 1 Jahr nach dem Start von Fridays for Future steigern wir in Österreich 2019 weiter unsere Emissionen! How dare we? Wie können wir das verantworten?!

Welch (peinliches) Vorbild waren wir - mit unserem zu leisen politischen Widerstand und unseren winzigen Änderungen im Konsumverhalten in den letzten 27 Jahren?!
Ja, wir haben zwar mehr Bioprodukte gekauft, Fleischkonsum reduziert, unsere Wohnungen gedämmt und Heizungen umgestellt und wir kompensieren neuerdings unsere Flüge, aber unser politisches Handeln beschränkt sich noch immer weitgehend darauf, dass wir zuschauen und hoffen, dass „die da oben“ (zur Zeit eben Werner Kogler und Sebastian Kurz) – hoffentlich eine gute politische Lösung ausverhandeln....
Ich kenne viele, die sich erwarten, dass nun die Grünen für eine gute Klimapolitik sorgen. Aber Klimapolitik hängt eben auch mit Entwicklungspolitik und Migrationspolitik zusammen und vor allem mit Sozial-, Wirtschafts- und Steuerpolitik. Da braucht es ein Umdenken bei allen WählerInnen und Wählern … Es braucht das gesamtgesellschaftliche Bewusstsein: Es ist Klimakrise. Und Krisenzeiten brauchen Kriseninterventionen mit einer gesamtgesellschaftlichen Kraftanstrengung. Mein 13jähriger Sohn verwendet dafür immer wieder ein abgewandeltes Zitat von John F. Kennedy ("We chose to go to the moon in this decade. Not because it's easy. But because it's hard."), das er aktualisiert hat mit: "We chose to stop climate change in this decade. Not because it's easy. But because it's hard."

Ich bin hier ganz der Meinung von Philipp Kitcher: "Auf individueller Ebene nicht mehr zu fliegen, weniger mit dem Auto zu fahren oder kein Fleisch zu essen ändert relativ wenig. Wir werden das Problem nicht lösen, wenn es keinen Wandel in der Politik gibt. Insofern halte ich die Teilnahme an Klimastreiks oder an Klimamärschen als Druckmittel für wirkungsvoller. Man kann aber auch etwas "Leiseres" tun – und eine "lokale Diskussionsgruppe zum Thema Klimawandel gründen."
https://www.derstandard.at/…/philosoph-philip-kitcher-nicht…

  • In meiner Heimatstadt Wiener Neustadt gibt es so eine "lokale Diskussionsgruppe zum Thema Klimawandel“, denn wir sind überzeugt: Eine globale Bewegung funktioniert nur, wenn an vielen kleinen Orten, viele Menschen sich organisieren und "global denken und lokal handeln": Am 11.1. veranstaltet der Klimabündnis-Arbeitskreis das nächste Zukunftsfrühstück im BZ St. Bernhard zur Klimapolitik und am 18.1. eine Klima-Demo "Vote for Future" vor der Gemeinderats-Wahl. https://klima.wienerneustadt.org/
    (Dort finden Sie auch ein kurzes Video-Plädoyer von mir, warum ich daran glaube, dass wir global die Energiewende in 10 Jahren schaffen werden, das ich beim 2. Klimafrühstück „Reise ins Jahr 2030“ präsentiert habe.)
  • Wohnen Sie auch in einer Klimabündnis-Gemeinde? Was macht IHR Klimabündnis-Arbeitskreis? Fragen Sie mal nach … https://www.klimabuendnis.at/gemeinden-mitglieder/gemeindeliste
  • Und braucht ihr Umwelt-Pfarrgemeinderat Unterstützung? Fragen Sie mal bei Ihrem Pfarrgemeinderat nach …
  • Es ist Klimakrise. Und wenn wir durch eine Krisenzeit erfolgreich durchgehen wollen, braucht es engagierte Menschen. Darum heißt unsere Diskussionsveranstaltung zur Amazonas-Synode und Fridays for Future am 7.1. auch "Engagiert euch!" http://ka-wien.at/site/termine/calendar/1758.html

    Das passt gut zur Botschaft von Papst Franziskus an die UN-Klima-Konferenz in Madrid: „Viele Worte haben zu keinen konkreten Taten geführt. Wir müssen uns ernsthaft fragen, ob es den politischen Willen gibt, um mit Ehrlichkeit, Verantwortung und Mut mehr Personal, Finanzen und Technologie zur Verfügung zu stellen, um die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu mindern.“

Es kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten. Nur Mut!

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