Evelyn Hödl

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01. Aug 2018

HIROSHIMA –GEDENKEN 2018

von Hödl Evelyn am 01. August 2018, 09:28 Uhr

2018 ist ein Jahr vielfältiger schmerzlicher Erinnerungen: 1918 – 1938 – 1968. Gerade uns ÖsterreicherInnen wird bewusst gemacht, wie leicht Demokratie zu zerstören ist, wie schnell gesellschaftliche Polarisierung zu Bürgerkrieg und Diktatur führen kann. 1938 war der Auftakt zum 2. Weltkrieg, der 1945 zum Einsatz der ersten Atombomben führte.

Wie ein Paradoxon erscheint es, dass die gesellschaftliche Entwicklung in Österreich, in Europa und den USA geradezu nach rückwärts gewandt erscheint. Nationalismen, Populismen, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit lassen Erinnerungen an die unseligen 30er Jahre des 20. Jahrhunderts aufkommen.

 

Politik ist beiderseits des Atlantiks vielfach verkommen zu Inszenierung, leeren Parolen und der Erfindung von Sündenböcken. Die Super- und Atommacht USA ist irrational und unberechenbar geworden. Ihr Präsident kündigt internationale Abkommen (Iran) auf, hofiert politische Gegenspieler und düpiert Verbündete. In den kommenden Jahren laufen bedeutende Abrüstungsabkommen wie der „New START“ Vertrag aus. Wie angesichts der kritischen Beziehungen zwischen Russland und den USA die Kontrolle der Nuklearwaffen durch internationale Verträge künftig garantiert wird, ist offen.

 

2017 haben sich 122 Mitgliedsländer der Vereinten Nationen in einem Abkommen dazu verpflichtet, keine Nuklearwaffen zu produzieren oder zu besitzen. Dennoch ist eine Welt ohne Atomwaffen immer noch in weiter Ferne. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI schätzt den weltweiten Bestand an Atomwaffen auf 14.465. Sie befinden sich in der Hand von 9 Staaten: USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea. Die Gesamtzahl der Nuklearwaffen  ist 2017 zwar um 470 gesunken, doch werden die vorhandenen Arsenale permanent modernisiert.

 

Und: Noch nie wurde seit dem Ende des Kalten Krieges so viel Geld fürs Militär ausgegeben wie 2017. Die Summe der weltweiten Militärausgaben stieg auf insgesamt 1739 Milliarden US-Dollar, wie SIPRI im Jahresbericht 2018 feststellt.

 

Weltweite Krisenherde nehmen zu. Im Nahen Osten verschärfen regionale Hegemonial-bestrebungen und Großmachtinteressen bestehende Konflikte; ungelöst sind die Spannungen zwischen Indien und Pakistan; eine Deeskalation in Ostasien ist - trotz des Trump - Kim Jong Un-Gipfels eine unsichere Sache.

 

Und 60  Millionen Menschen sind auf der Flucht vor Terror, Krieg, Verelendung und ökologischen Katastrophen. Anstatt Fluchtursachen zu bekämpfen, werden die Flüchtenden („Flüchtlingsansturm“) zur Bedrohung gemacht, gegen die es gilt, sich mit allen Mitteln zu verteidigen. Abschreckung statt Integration! Sprachliche Verrohung, schwindendes Mitgefühl und Ignorieren grundlegender Menschenrechte sind an der Tagesordnung – nicht nur in den „sozialen“ Medien. Das einstige „Friedensprojekt Europa“ verkommt zu einer Festung, die ihren – auf Kosten der Länder des Südens erworbenen – Wohlstand mit Grenzzäunen, Polizei – und Militär? – aufrechterhalten will. Die Diskussion um den „Marshall-Plan für Afrika“, um die vielzitierte „Hilfe vor Ort“, erweist sich als leere Phrase – angesichts der Leistungen der sog. Entwicklungszusammenarbeit und angesichts der sinkenden Beiträge für die UN-Flüchtlingshilfe.

 

Die Erde scheint heute ein gefährlicherer Ort als noch vor 2 Jahren zu sein. Umso dringlicher das „Aufstehen“ und „Aufschreien“: gegen die weltweite – nukleare und konventionelle  - Aufrüstung, gegen die „WIR zuerst“- Mentalität, die Hetzparolen, die Angstmacher, die menschenverachtende Politik, die in Europa und Österreich längst salonfähig geworden ist. 

 

Das Hiroshima-Gedenken 2018 gilt nicht nur den Toten der Bombenangriffe von 1945. Es ist Symbol für die Unmenschlichkeit einer feindbildorientierten Politik und Symbol für jene ungezählten Menschen, die auf ihren Fluchtwegen durch Afrika, in Libyens Sklavenlagern oder im Mittelmeer umgekommen sind. Und es mag uns Mahnung sein: unsere einst so gerühmte soziale Demokratie, Menschenrechte und Menschenwürde sind nicht selbstverständlich. Diese Werte müssen gelebt und verteidigt werden. Wir alle sind aufgefordert, wachsam, achtsam und aktiv zu sein! Für Christinnen und Christen gilt es – im Auftrag von Papst Franziskus (Laudato Si) – uns für unser gemeinsames Haus, die Erde und die Menschheitsfamilie einzusetzen. „CHRISTLICH GEHT ANDERS“ als Politik, Gesellschaft und die „veröffentlichte“ Meinung uns hierzulande glauben machen wollen.

Hödl
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